Es gibt Uhren, die man für ihr Werk, ihre Architektur, ihre Geschichte oder einfach für die ästhetische Emotion schätzt, die sie hervorrufen. Und dann gibt es jene, die, ohne dass dies wirklich geplant gewesen wäre, sich am Ende mit einem Lebensmoment verbinden. Sie bleiben dieselben Uhrmacherobjekte, mit ihren Qualitäten und ihren Schwächen, doch etwas hat sich verändert. Eine Landschaft, eine Straße, eine Begegnung oder eine Erinnerung verleihen ihnen fortan einen Wert, den kein technisches Datenblatt messen kann.

Rund zehn Tage lang verließ mitten in diesem Sommer 2026 eine Oris Star Edition ihre gewohnte Umgebung, um sich auf die Straße zu begeben. Von Paris in die Auvergne, vom Hérault in die Provence, vom Mont Ventoux zu den Gorges de la Nesque, dann durch die Cévennes bis in die Haute-Loire, bevor es zurück in die Hauptstadt ging. Vor allem ein Roadtrip mit dem Motorrad. Eine Reise zwischen einem Vater und seinem Sohn, seit mehreren Jahren angedacht und die einfach auf den richtigen Moment gewartet hatte, um Wirklichkeit zu werden. Und am Handgelenk eine Uhr, deren Geschichte gerade von Freiheit erzählt.
Auf dieser Seite
- Oris Star: eine Uhr, geboren aus wiedergewonnener Freiheit
- 35 mm, ohne sich aufdrängen zu wollen
- Eine Anzuguhr begibt sich auf die Straße
- Verpasstes Treffen mit dem Riesen der Provence
- 36 Grad unten, 18 auf dem Gipfel
- Der Luxus, Zeit zu haben
- Eine Uhr muss keine „Tool Watch“ sein, um zu reisen
- Von einer kollektiven Geschichte zu einer persönlichen Geschichte
- Häufig gestellte Fragen
Oris Star: eine Uhr, geboren aus wiedergewonnener Freiheit
Um die auf der Watches and Wonders Geneva 2026 vorgestellte Oris Star Edition zu verstehen, muss man sechs Jahrzehnte zurückgehen.
Die Schweizer Uhrenindustrie der Jahre 1930 bis 1960 entwickelt sich unter dem Einfluss des Statut horloger, einer regulatorischen Maßnahme, die ursprünglich zum Schutz einer von der Wirtschaftskrise hart getroffenen Industrie gedacht war. Im Laufe der Jahre schränkt dieser Rahmen jedoch die industrielle Freiheit bestimmter Manufakturen ein. Oris ist davon besonders betroffen.

Das Haus aus Hölstein bleibt insbesondere über viele Jahre auf Uhrwerke mit Stiftankerhemmung beschränkt, während sich die Ankerhemmung bei Liebhabern feiner Mechanik zunehmend als Referenz durchsetzt. 1956 betraut Oris den jungen Juristen Rolf Portmann mit der Aufgabe, diese Situation zu verändern. Es beginnt ein juristischer und politischer Kampf von fast einem Jahrzehnt. Dieser gelangt Mitte der 1960er Jahre zum Erfolg und erlaubt es Oris, eine technische Freiheit wiederzuerlangen, die sein Schicksal tiefgreifend verändern wird. Die Star erscheint 1966 und wird zu einem der Symbole dieser neuen Ära.

Sechzig Jahre später erweist Oris ihr mit einer Uhr Tribut, die vor allem nicht versucht, die Vergangenheit übermäßig neu zu interpretieren. Die Star Edition bekennt sich voll und ganz zu ihrem Retro-Charakter. Und das macht wahrscheinlich ihren Charme aus.
35 mm, ohne sich aufdrängen zu wollen
In einer zeitgenössischen Produktion, in der die Sportuhr weiterhin allgegenwärtig ist, schlägt die Star Edition einen anderen Weg ein. Ihr Stahlgehäuse besitzt eine für die 1960er Jahre charakteristische Tonneau-Silhouette. Ihr Durchmesser von 35 mm, verbunden mit einer Länge von Horn zu Horn von 41,5 mm, mag auf den ersten Blick fast anachronistisch wirken. Das ist er nicht. Er gibt schlicht die Proportionen einer anderen Epoche wieder und trägt direkt zur Identität der Uhr bei.

Auch das silberne Zifferblatt greift die Merkmale des historischen Modells auf: applizierte Indizes, Zeiger mit quadratischen Enden, ein bei 3 Uhr dezentriertes Datum sowie die Aufschriften „Star“, „Automatic“ und „26 Jewels“. Das Ganze wird nicht von einem Saphirglas geschützt, sondern von einem gewölbten Plexiglas, das jene besondere Wärme verleiht, die Liebhaber alter Uhren gut kennen. Selbst der Gehäuseboden nimmt an diesem historischen Rückgriff teil, mit der Gravur des Oris-Wappens aus den 1960er Jahren. Im Inneren sitzt das automatische Kaliber Oris 733, das Stunden, Minuten, Zentralsekunde und Datum mit Schnellschaltung bietet. Seine Gangreserve erreicht 41 Stunden. Die Wasserdichtigkeit wird mit 5 bar angegeben, und die Uhr wird an einem schwarzen Lederarmband mit Dornschließe geliefert. Nichts in diesem technischen Datenblatt versucht also, die Star Edition in eine Abenteueruhr zu verwandeln. Und doch…
Eine Anzuguhr begibt sich auf die Straße
Der Start erfolgt am 3. August in Paris. Erste Etappe in der Auvergne, in La Chaise-Dieu. Dann folgen der viaduc de Garabit, ein Halt am Ufer des lac de Pareloup und schließlich Montpellier.
Dort nimmt der Roadtrip wirklich eine andere Dimension an. Zwei Generationen, zwei Motorräder und zwei sehr unterschiedliche Herangehensweisen an die Zeit: eine Honda NT1100 für den Vater, eine Honda CB125R für den Sohn. Am Handgelenk des Letzteren eine Garmin Fenix 8 Pro AMOLED, deren technologische Fähigkeiten perfekt zu dieser Generation von Instrumenten passen, die praktisch jede Aktivität messen, aufzeichnen und begleiten können.

Am anderen Handgelenk begnügt sich die Oris damit zu tun, was mechanische Uhren schon immer tun: die Zeit anzeigen. Dieser Kontrast könnte fast mehrere Jahrzehnte Uhrengeschichte zusammenfassen. Es geht dabei jedoch nicht darum, die beiden Welten gegeneinander auszuspielen. Ganz im Gegenteil. Jede findet auf natürliche Weise ihren Platz in der Reise. Die Hondas begeben sich daraufhin auf die Straßen des Hérault, fahren am Pic Saint-Loup vorbei, durchqueren den Gard über Uzès und erreichen Bagnols-sur-Cèze, bevor es weiter in Richtung Provence geht. Ziel: L’Isle-sur-la-Sorgue.

Im Schatten ihrer Kais und an den Ufern der verschiedenen Arme der Sorgue ändert sich der Rhythmus. Nach den Kilometern kommen die Ruhe, die Spaziergänge und eine Nacht der Erholung. Denn der nächste Tag soll zum ersten wirklichen Ziel der Reise führen. Zum Mont Ventoux.
Verpasstes Treffen mit dem Riesen der Provence
Der Donnerstag, 6. August, beginnt früh. Aufstehen um 6 Uhr und Abfahrt um 7 Uhr, um noch erträgliche Temperaturen zu nutzen. Einige Dutzend Kilometer später taucht Bédoin am Fuß des Ventoux auf. Doch dort endet die Straße. Die Gendarmerie sperrt den Zugang. An diesem Tag findet L’Étape du Tour de France Femmes avec Zwift statt, das Amateurrennen, das der Ankunft des Profifeldes am Ventoux am folgenden Tag vorausgeht. Mehrere Tausend Radfahrer müssen den Riesen der Provence erklimmen, und die Straßen sind naturgemäß gesperrt.

Man muss aufgeben. Zumindest vorübergehend. Das Programm wechselt daraufhin zur Fontaine-de-Vaucluse, ihrer beeindruckenden Karstquelle und dem überraschend kühlen Wasser der Sorgue. Ein Vormittag mit Spaziergängen, ein Mittagessen und dann die Rückkehr nach L’Isle-sur-la-Sorgue erlauben es, das Tagesende abzuwarten. Gegen 18 Uhr fällt eine Entscheidung: noch einmal nachsehen. Wieder Bédoin. Diesmal sind die Absperrungen verschwunden. Die Gendarmen sind noch präsent, aber die Straße ist wieder für den Verkehr freigegeben. Die beiden Hondas machen sich daraufhin an den Aufstieg.
36 Grad unten, 18 auf dem Gipfel
Manche Straßen scheinen für das Motorrad entworfen worden zu sein. Die des Ventoux gehört zweifellos dazu. An diesem Abend bietet sie zudem eine äußerst seltene Situation. Nachdem sie einen Großteil des Tages gesperrt war, ist sie fast vollständig menschenleer. Ein paar Radfahrer, zwei während des Aufstiegs gesichtete Motorräder, praktisch kein Auto. Der Riese der Provence gehört fast denen, die gewartet haben. Mit zunehmender Höhe verändert sich die Landschaft. Die mediterrane Vegetation weicht allmählich dem Wald, bevor auch dieser verschwindet. Dann erscheint jene für den Ventoux so charakteristische, steinige Landschaft, die dem Gipfel sein fast mondähnliches Aussehen verleiht.


Die Temperatur fällt ebenso spektakulär. Das Armaturenbrett der Honda NT1100 zeigte in der Ebene etwa 36 °C an. Auf dem Gipfel wird es nur noch 18 °C anzeigen. Und als die Motorräder endlich oben ankommen, beginnt die Sonne unterzugehen. Die gesamte Fahrt, alle Streckenänderungen und das verpasste Treffen am Morgen ergeben nun einen Sinn. Vor der untergehenden Sonne findet sich die Oris Star in einer Umgebung wieder, für die sie nie gedacht war. Kein gedämpfter Salon. Kein Hemdsärmel. Keine uhrmacherische Inszenierung. Einfach ein 35-mm-Gehäuse, ein paar Zeiger und ein mechanisches Uhrwerk vor einer Millionen Jahre alten Landschaft. Die Uhr wirkt plötzlich vollkommen an ihrem Platz.


Der Luxus, Zeit zu haben
Am nächsten Tag erzwingt die Tour de France Femmes noch einige Anpassungen des Programms. Die ursprünglich geplante Umrundung des Ventoux lässt sich nicht genau umsetzen. Es geht also Richtung Monieux und die gorges de la Nesque, die zu dieser frühen Morgenstunde ebenfalls fast menschenleer sind. Die an den Fels geschmiegte Straße bietet einige der schönsten Panoramen der Reise, bevor es einen Halt in Venasque gibt, dann Gordes und Saumane-de-Vaucluse. Ein weiterer provenzalischer Tag geht zu Ende. Am nächsten Tag fahren die Motorräder über Arles und die Camargue zurück Richtung Montpellier.



Dann beginnt schon der Rückweg. Nach einem notwendigen Eingriff an den Reifen nimmt die Honda NT1100 die Straße wieder auf, diesmal mit zwei Passagieren. Die Cévennes werden über Chamborigaud, dann Luc durchquert, vor Langogne, der Haute-Loire und einem Halt am château de la Rochelambert in Saint-Paulien. Die Schleife führt schließlich zurück nach La Chaise-Dieu.


Am nächsten Tag führt die Straße nach Paris noch über Châteldon und Ris. Einige hundert Kilometer später gehört die Reise, von der seit mehreren Jahren die Rede war, bereits der Vergangenheit an.

Eine Uhr muss keine „Tool Watch“ sein, um zu reisen
Die Erfahrung offenbart zudem etwas Interessantes über diese Oris. Die Star Edition ist absolut keine Werkzeuguhr. Mit ihrem Lederarmband, ihrem Plexiglas, ihrer Wasserdichtigkeit von 5 bar und ihren von den 1960er Jahren geerbten Proportionen würde niemand spontan auf die Idee kommen, sie als idealen Begleiter für einen Motorrad-Roadtrip zu bezeichnen. Aber braucht man zwingend eine Abenteurer-Uhr, um ein Abenteuer zu erleben? Wahrscheinlich nicht.

Ihre 35 mm verleihen ihr im Gegenteil eine maßvolle Präsenz. Ihr Zifferblatt bleibt schlicht, ohne unnötige Komplikation, während ihre Retro-Ästhetik angenehm mit der allgegenwärtigen Elektronik eines modernen Motorrads kontrastiert. GPS, TFT-Bildschirme, Smartphone, Cardo-Freecom-Gegensprechanlagen, die es den beiden Motorradfahrern erlauben, sich während der Fahrt zu unterhalten: Die Motorradreise von 2026 hat kaum noch etwas mit jener von vor zwanzig Jahren gemein. Inmitten dieser technologischen Umgebung besitzt eine mechanische Uhr, die sich damit begnügt, den Lauf der Zeit zu messen, fast etwas Beruhigendes.

Von einer kollektiven Geschichte zu einer persönlichen Geschichte
Vielleicht findet die Oris Star Edition genau darin letztlich ihre volle Kohärenz. Die Uhr erinnert an eine Episode, in der Oris für die Wiedererlangung ihrer schöpferischen Freiheit kämpfte. Sechzig Jahre später begleitet sie eine Reise, deren Daseinsgrund eben die Freiheit ist: eine Route festlegen, sie ändern, wenn sie gesperrt ist, anhalten, wenn die Landschaft es verdient, bei Sonnenuntergang weiterfahren oder eine Route vollständig ändern, weil die Umstände es erfordern. Die Star Edition erzählt offiziell die Geschichte von Oris. Von nun an erzählt dieses Exemplar auch eine andere.

Die einer fast einsamen Auffahrt zum Mont Ventoux nach einem Tag des Wartens. Die von 36 Grad, die im Laufe der Kilometer zu 18 werden. Die der gorges de la Nesque am frühen Morgen, der provenzalischen Straßen, der Cévennes und zweier gemeinsam vorankommender Motorräder. Und vor allem die eines seit Jahren erdachten und nun endlich verwirklichten Vater-Sohn-Roadtrips. So hört eine Uhr oft einfach auf, nur eine Referenz, ein Kaliber und einige technische Merkmale zu sein. Sie wird zu seiner Uhr. Nicht weil sie selten ist, die Oris Star Edition ist im Übrigen nicht limitiert, und auch nicht weil sie einer anderen objektiv überlegen wäre. Sondern weil eines Tages, irgendwo auf einer Straße, die Zeit, die sie anzeigte, zu einer Erinnerung wurde.

Oris Star Edition, technisches Datenblatt
Referenz: 01 733 7813 4151-Set
Gehäuse: Edelstahl, Tonneau-Form
Durchmesser: 35 mm
Horn zu Horn: 41,5 mm
Zifferblatt: silberfarben, applizierte Indizes
Glas: gewölbtes Plexiglas
Werk: Oris Kaliber 733, automatisch
Funktionen: Stunden, Minuten, Zentralsekunde, Datum
Gangreserve: 41 Stunden
Wasserdichtigkeit: 5 bar
Armband: schwarzes Leder, Dornschließe
Unverbindliche Preisempfehlung: 1 800 €
Edition: nicht limitiert
Die Oris Star wiederfinden
Häufig gestellte Fragen
Eine Oris-Uhr, inspiriert von einem Modell aus dem Jahr 1966, vorgestellt auf der Watches and Wonders Geneva 2026, deren Geschichte sich um die Freiheit dreht.
35 mm, mit einer bewusst zurückhaltenden Präsenz.
Nein, sie ist nicht limitiert.
Sie erinnert an den Schweizer Statut horloger der 1930er bis 1960er Jahre, ein regulatorisches Rahmenwerk, das schließlich einige Manufakturen einschränkte, sowie an die Freiheit, die Oris später zurückgewann.
Eine zehntägige Vater-Sohn-Motorradreise von Paris durch die Auvergne, die Provence, den Mont Ventoux, die Nesque-Schlucht, die Cevennes und die Haute-Loire.



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