
Guy Semon ist ein zurückhaltender Mann, der stets im Hintergrund für den Erfolg anderer gearbeitet hat. Dieses wahre Genie, das in jungen Jahren eigentlich Kampfpilot werden wollte, hat bereits zehn Leben gelebt und ebenso viele Berufe ausgeübt. Der Doktor der Naturwissenschaften, spezialisiert auf Physik und Ingenieurwissenschaften, begeistert sich für Mathematik, Physik, Mechanik und seit einiger Zeit auch für die Uhrmacherei. Er lehrte eine Zeit lang an der Université de Franche-Comté, bevor er sich als Unternehmer selbstständig machte. In den 90er-Jahren wirkte er an zahlreichen großen wissenschaftlichen Projekten mit, bis ihn TAG Heuer 2004 holte. Bei dieser großen Uhrenmarke brachte er das Projekt Monaco V4 zum Abschluss und gründete ab 2008 das F&E-Labor von TAG Heuer, das er auch leitete.
Auf dieser Seite
- Welche Uhr tragen Sie während dieses Interviews?
- Wie lange haben Sie an der Entwicklung dieses Regulators gearbeitet?
- Was ist Ihr größter uhrmacherischer Erfolg?
- Was ist Ihre Lieblingskomplikation?
- Kann man bei diesem neuen Regulator von einer Uhrenkomplikation sprechen?
- Welche Leidenschaften haben Sie außer der Uhrmacherei?
- Wie sähe Ihre Traumuhr aus?
- Wie würden Sie Luxus definieren?
- Welche Marke, ob aus der Uhrenwelt oder nicht, verkörpert für Sie Luxus am besten?
- Welche historische oder zeitgenössische Persönlichkeit inspiriert Sie?
- Welche Eigenschaft schätzen Sie an anderen am meisten, und welchen Fehler bedauern Sie an sich selbst?
- Wird von Ihnen in Ihrer Arbeit nicht gerade verlangt, keine Grenzen zu kennen?
- Welches Zitat schätzen Sie besonders?
- Wie spät ist es?

Mit seinem Team erfand und entwickelte er mehrere der präzisesten Chronographen der Welt, angefangen mit dem Mikrograph, der 2010 als erster integrierter Chronograph vorgestellt wurde, der auf die Hundertstelsekunde genau messen kann. Danach schuf er einige der komplexesten Uhren und Uhrwerkssysteme überhaupt, etwa den Mikrotimer, den Mikrogirder, den Mikropendulum oder die Mikrotourbillons. Im Dezember 2014 wurde er auf Betreiben von Jean-Claude Biver, inzwischen CEO von TAG Heuer und Chef der Uhrensparte des LVMH-Konzerns, zum Generaldirektor von TAG Heuer ernannt. Seine erste Herausforderung bestand darin, in nur wenigen Monaten eine vernetzte TAG Heuer zu entwickeln.

Gemeinsam mit Intel und Google meisterte er diese Aufgabe erfolgreich. Sein Chef, der inzwischen auf Synergien zwischen den Kompetenzen der verschiedenen Marken der Uhrensparte setzte, beförderte ihn zum CEO des F&E-Labors der Uhrensparte des Konzerns LVMH. In dieser Funktion präsentierte er im September 2017 an der Seite von Julien Tornare, CEO von Zenith, Ricado Guadalupe, CEO von Hublot, und Jean-Claude Biver, CEO von TAG Heuer, Präsident von Hublot und Präsident der Uhrensparte von LVMH, die neue und revolutionäre Zenith Defy Lab.

Mit dieser Uhrenkomplikation schreibt der junggebliebene 54-Jährige, Vater zweier erwachsener Kinder und gebürtiger Franc-Comtois, dessen Familie in der Region bis ins 12. Jahrhundert zurückreicht, Uhrengeschichte. Der Liebhaber von Geschichte, Wissenschaft und Golf ist der Erfinder eines Oszillators, der ohne das 1675 von Christiaan Huygens erfundene System aus Unruh und Spiralfeder auskommt. Nicht weniger als das! Begegnung mit einem Genie, das sich selbst als Wissenschaftler im Dienst der Uhrmacherei versteht.
Welche Uhr tragen Sie während dieses Interviews?
Ich trage eine ganz besondere Uhr. Sie heißt Defy Lab. Sie ist eine Weltpremiere, und ihr wichtigstes Merkmal ist ein neuer Regulator, der das Prinzip von Huyghens ersetzt.

Wie lange haben Sie an der Entwicklung dieses Regulators gearbeitet?
Etwas mehr als drei Jahre.
Was ist Ihr größter uhrmacherischer Erfolg?
Der nächste!

Was ist Ihre Lieblingskomplikation?
Diese hier, die neueste. Es ist nicht gerade wenig, das Prinzip von Huygens nach 342 Jahren zu ersetzen. Also ja, ich bin ein großer Fan davon.

Kann man bei diesem neuen Regulator von einer Uhrenkomplikation sprechen?
Es ist eine Uhrenkomplikation! Ich lade Sie ein, Denis Badin zu treffen, unseren Uhrmachermeister am Institut des Sciences von LVMH. Er trägt den Titel Meilleur Ouvrier de France, und Sie können ihm die Frage stellen, denn er ist ein echter Uhrmacher, was ich nicht bin. Er wird Ihnen sagen, dass nichts mechanischer ist als diese Uhr.

Welche Leidenschaften haben Sie außer der Uhrmacherei?
Ich bin seit zwölf Jahren in der Uhrmacherei. Ich habe die V4 (von TAG Heuer, Anm. d. Red.) gemacht, die Hundertstelsekunde, die Tausendstelsekunde, die fünf Zehntausendstelsekunden, den Pendulum, das Tourbillon mit Hundertstelsekunde usw. Ich bin ein Wissenschaftler, der zu einem „ziemlich guten“ Uhrmacher geworden ist. Und ja, natürlich habe ich noch einige andere Leidenschaften, zum Glück übrigens. (Lächelt)

Wie sähe Ihre Traumuhr aus?
Es wäre eine mechanische Uhr, deren Präzision überhaupt nicht mehr von der Gangreserve abhängt, eine Uhr, die ich nie aufziehen müsste, eine sehr schöne, sehr reine, sehr „emotionale“ Uhr, die zugleich das ganze Talent der Wissenschaftler zeigt, die sie entwickelt haben, und das Talent aller Uhrmacher, die sie montiert haben.

Wie würden Sie Luxus definieren?
Das ist eine gute Frage. Luxus ist Emotion. Eine Emotion, die nicht ständig verfügbar ist. Etwas, das man ab und zu öffnet und das einem eine äußerst emotionale Wahrnehmung des Augenblicks schenkt.

Welche Marke, ob aus der Uhrenwelt oder nicht, verkörpert für Sie Luxus am besten?
Da gibt es mehrere. Es fällt schwer, die Konkurrenz zu nennen, auch wenn ich die Mitbewerber sehr bewundere. Aber erlauben Sie mir, heute trotzdem Zenith zu nennen, denn ich bin bei Zenith, und die Geschichte dieser Marke ist so fabelhaft, dass man nur stolz darauf sein und zwangsläufig mit „Zenith“ antworten kann.

Welche historische oder zeitgenössische Persönlichkeit inspiriert Sie?
Das ist wie bei den Uhren, es gibt viele. Wissenschaftler, Schriftsteller, Menschen, die mich in meinem Leben inspiriert haben. Sogar Menschen aus meiner Familie, aus meinem Freundeskreis usw. Das sind nicht unbedingt berühmte Persönlichkeiten.

Welche Eigenschaft schätzen Sie an anderen am meisten, und welchen Fehler bedauern Sie an sich selbst?
Beharrlichkeit und Bescheidenheit. Demut ist die oberste Regel, wenn man Wissenschaft betreibt, deshalb liegt mir das sehr am Herzen.
Was die Fehler angeht, davon habe ich enorm viele. Ich will mich ja nicht völlig unglaubwürdig machen… Wohl maßlos, ohne Grenzen. Das hat Vorteile, aber auch viele Nachteile.

Wird von Ihnen in Ihrer Arbeit nicht gerade verlangt, keine Grenzen zu kennen?
Von mir werden vor allem Ergebnisse verlangt. (Lächelt) Und das Ergebnis kann man durchaus als Grenze betrachten.

Welches Zitat schätzen Sie besonders?
„Die Dinge sind nur das, was man aus ihnen macht.“

Wie spät ist es?
Es dürfte 13 Uhr sein.



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